„Education for all – no child left behind“

Tansania verlängert die Schulpflicht auf zehn Jahre

Die tansanische Regierung hat begonnen, das Schulsystem zu reformieren, um die jungen Menschen besser auf ein modernes Berufsleben vorzubereiten. Frau Sayuni, Qualitätsbeauftragte für Schulen im Distrikt Morogoro, besuchte auch die Herbert-Wallbrecher-Schule in Mikese.

Besuch der Schul-Qualitätsbeauftragten für den Bezirk Morogoro

Im Interview bewertete sie die aktuelle Situation so: Bildung ist der einzige Weg, auf dem die Armut in Tansania langfristig bekämpft und die Freiheit der Tansanier erhalten werden kann. Ihre Überzeugung für die Ziele der neuen Bildungspolitik, aber auch ihre Offenheit beim Nennen der Probleme sind eindeutig. Das englische Interview ist gekürzt wiedergegeben.

Ein Interview mit Ms. Sayuni,
der Schul-Qualitätsbeauftragten für den Bezirk Morogoro

Was sind die wichtigsten Punkte der neuen Bildungspolitik?

Ms. Sayuni: In 2014 wurde das tansanische Schulsystem reformiert. Ziel ist die Erziehung zu mehr Selbstvertrauen. Der Lehrplan ab 2016 legt den Schwerpunkt aufs Verstehen anstatt auf das Auswendiglernen.
Für die erste und zweite Klasse wollen wir fünf Kompetenzfelder vermitteln: Lesen, Schreiben, Rechnen, Gesundheit, Umweltschutz.
Für die höheren Klassen sollen Kompetenzen in Naturwissenschaft und Technologie inkl. Computertechniken neu vermittelt werden.

Die Primary School dauert zukünftig zehn Jahre statt wie bisher sieben Jahre. Der Schulbesuch ist kostenfrei. Welche Herausforderungen bedeutet das für das Bildungssystem?

Ms. Sayuni: Wir erwarten, dass mehr Kinder zur Schule gehen, was allerdings die Belastung der Lehrer signifikant erhöhen wird. Ziel ist ein Lehrer-Schüler-Verhältnis von 1:40; es liegt in ländlichen Gegenden noch oft bei 1:100. Es fehlen die nötigen Klassenräume. Gleichzeitig gibt es einen Lehrermangel, vor allem auf dem Land. Es fehlen Wohnungen für Lehrer. Wir müssen also geeignete Lernumgebungen schaffen, für die Schüler wie für die Lehrer. Es fehlt oft an Elektrizität in den Schulen oder an Lehrmitteln, nicht zuletzt an Fachlehrern für die Fächer Wissenschaft und Technologie, ohne die moderne Inhalte nicht vermittelt werden können.

Wie unterstützen Sie als Schul-Qualitätsbeauftragte die Umsetzung der neuen Bildungsziele?

Ms. Sayuni: Unsere Qualitätsüberprüfungen decken Defizite
in den Schulen auf, begleiten und überprüfen aber auch
regelmäßig deren Beseitigung.